Misteltherapie

Die Misteltherapie ist ein Verfahren der Phytotherapie, das auf den Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner zurück geht. Dieser führte die Mistelpräparate als Krebstherapeutika ein.

Heute wird die Misteltherapie vor allem in der komplementären Onkologie (begleitende Krebsbehandlung) als Immunstimulans eingesetzt.

Das Verfahren

Die Extrakte der Mistel werden vorwiegend aus den Blättern und nicht aus den Beeren gewonnen. Die Präparate werden aus Presssäften, wässrigen Kaltauszügen, wässrigen Flüssigextrakten oder aus laktofermentierten Extrakten hergestellt.

Der wichtigste Wirkstoff sind zuckerhaltige Eiweiße, die sogenannten Mistel-Lektine. Für besonders wirksam wird das Mistel-Lektin 1 (ML-1) gehalten. Das ML-1 hat einen immunmodulatorischen Effekt und regt somit die körpereigenen Abwehrkräfte an.

Durch die stimulierende Wirkung des Mistelextraktes kommt es zur Ausschüttung von Zytokinen, Interferonen und dem Tumornekrosefaktor (Mediatoren der immunologischen Reaktion).

Außerdem kommt es zu einer vermehrten Ausreifung von Lymphozyten (Abwehrzellen). Weiterhin erhöht sich die Sekretion von Endorphinen (endogene Morphine – körpereigene Stoffe, die als Neuropeptide die Schmerzempfindung und die Entstehung von Euphorie steuern).

Neben den Lektinen sind auch Viscotoxine bekannt, die zytotoxisch (giftig für Zellen) wirken und eventuell Tumoren direkt angreifen.

Die Hauptwirkungsweisen der Mistelpräparate sind:

  • Apoptose: Die Apoptose bezeichnet den Untergang von Zellen (Zelltod), der durch genetische Informationen in der Zelle selbst ausgelöst wird. Die in der Mistel enthaltenen Lektine beeinflussen die Aminosäure-Synthese (Eiweißstoffwechsel) und verursachen so das Einsetzen der Zell-Apoptose, sowohl bei gesunden Zellen als auch bei Krebszellen. Da Krebszellen sich stärker vermehren und somit in großer Zahl vorliegen, kann die Apoptose zur Verringerung der Krebszellen beitragen.
  • Immunmodulation: Stoffe wie Lektine, Viscotoxine und Polysaccharide, haben einen positiven Einfluss auf die Immunantwort des Körpers. Infolge einer Mistel-Injektion werden vermehrt Abwehrstoffe wie Zytokine sowie Abwehrzellen (T-Helfer-Zellen, zytotoxischer T-Zellen (Killerzellen), und B-Lymphozyten bzw. Plasmazellen) und Fresszellen (Makrophagen) gebildet, was zu einer Stärkung der körpereigenen Immunabwehr führt.
  • DNA-stabilisierende Wirkung: Bei einer Chemotherapie kommt es oft zu Schäden, die durch eine Mistelbehandlung mitunter verhindert werden können. Die Therapie hat einen schützenden Effekt auf die DNA.

Die individuelle Behandlung ist abhängig von der Art und Schwere der Erkrankung. Zuerst wird in einer Einleitungsphase die Verträglichkeit der Mistelpräparate getestet.

Die Therapiedauer beträgt in der Regel zwei Monate, gefolgt von einer 4-8wöchigen Pause. Anschließend wird die Therapie wiederholt. Das Präparat wird subkutan (unter die Haut) injiziert.

Die Misteltherapie ist insbesondere sinnvoll bei folgenden Tumorerkrankungen:

  • Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)
  • Harnblasenkarzinom  (Blasenkrebs)
  • Mammakarzinom (Brustkrebs)
  • Magenkarzinom (Magenkrebs)
  • Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)
  • maligner Aszites – Bauchwasser auf Grund einer Tumorerkrankung
  • Leberzellkarzinom (Leberkrebs)
  • Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs)
  • Kolonkarzinom/kolorektales Karzinom – Dick- und Mastdarmkrebs
  • Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)
  • Pankreaskarzinom (Bauchspeicheldrüsenkrebs)
  • Prostatakarzinom (Prostatakrebs)
  • Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)

Ihr Nutzen

Die Misteltherapie ist ein anerkanntes Verfahren in der komplementären Krebstherapie, das als begleitende Behandlung bei einer Vielzahl an Krebsleiden zum Wohle der Patienten eingesetzt wird.